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FFH-Arten und Europäische Vogelarten


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Verbreitungskarten

Steinbeißer  (Cobitis taenia Linnaeus, 1758)

EU-Code: 1149

FFH-Anh. II

Rote Liste NRW 2010: 3
Rote Liste NRW 1999: D
Rote Liste D: 2
Erhaltungszustand in NRW (ATL): U
Erhaltungszustand in NRW (KON): U

Steinbeißer (Cobitis taenia)
© Foto: Werner Fiedler, Leipzig

Steinbeißer gehören zur Familie der Schmerlen. Sie sind Kleinfische mit 8 bis 10 Zentimetern Länge, Weibchen können auch bis 12 Zentimeter lang werden. Sie sind dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber graben sie sich im Gewässergrund ein, so dass nur Kopf und Schwanz herausschauen. Nachts gehen sie auf Nahrungssuche, wofür sie den Sand "durchkauen", Kleintiere und organisches Material daraus aufnehmen und den restlichen Sand durch die Kiemen wieder ausstoßen. Daher rührt auch der Name "Steinbeißer. Ein zweiter Name der Fischart, "Dorngrundel", bezieht sich auf einen aufrichtbaren, zweispitzigen Dorn, der dicht unter dem Auge in einer Hautfalte sitzt. Wie alle Schmerlenartigen besitzt der Steinbeißer die Fähigkeit zur akzessorischen Darmatmung. Dafür schluckt er an der Wasseroberfläche Luft, aus der im Enddarm durch die dünne, sehr gut durchblutete Darmwand der Sauerstoff entzogen wird. Die verbrauchte Luft wird durch den After wieder abgegeben. In organisch belasteten Gewässern kann die Darmatmung das Überleben sauerstoffarmer Zeiten erleichtern. Steinbeißer werden 3 - 5 Jahre alt und wachsen langsam. Ihre Laichzeit erstreckt sich von April bis Juli. In der Dämmerung versammeln sich die fortpflanzungsbereiten Tiere im Uferbereich. Die Weibchen legen ihre 300 bis 1500 Eier an Steinen, Wurzelwerk oder Wasserpflanzen ab, wo sie anschließend von den Männchen besamt werden. Nach 4 - 6 Tagen schlüpfen die Larven.

Steinbeißer bevorzugen langsam fließende Bäche, Flüsse, Altarme und Stillgewässer, die klares, sauerstoffreiches Wasser aufweisen. Gegenüber leichten, organischen Gewässerbelastungen sind sie jedoch unempfindlich. Die wichtigste Voraussetzung für das Vorkommen von Steinbeißern in einem Gewässer sind sogenannte "Pioniersande". Diese Flächen entstehen wenn sich sandiger Untergrund regelmäßig umlagert und dadurch frei von Bewuchs und Schlammablagerungen bleibt. In natürlichen oder naturnahen Gewässern entstehen solche Umlagerungen immer wieder neu durch die hydrologische Dynamik. Steinbeißer nutzen aber auch Sekundärstandorte, beispielsweise Umlagerungsbereiche direkt unter Wehren. Innerhalb eines Gewässerabschnittes kommen Steinbeißer oft in großen Mengen an Stellen vor, die ihren Ansprüchen entsprechen. An anderen Stellen sind sie dagegen überhaupt nicht zu finden.

Die ursprüngliche Verbreitung des Steinbeißers in Nordrhein-Westfalen lässt sich nicht genau rekonstruieren, da die Art aufgrund ihrer versteckten Lebensweise früher kaum beachtet und beschrieben wurde. Die aktuell bekannten Vorkommen sind lückenhaft über Nordrhein-Westfalen verteilt, mit einem Schwerpunkt in den Bächen der Münsterländer Bucht und des Wesereinzugsgebietes.