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FFH-Arten und Europäische Vogelarten


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Fransenfledermaus  (Myotis nattereri (Kuhl,1817))

EU-Code: 1322

FFH-Anh. IV

Rote Liste NRW 2010: *
Rote Liste NRW 1999: 3
Rote Liste D: 3
Erhaltungszustand in NRW (ATL): G
Erhaltungszustand in NRW (KON): G

Fransenfledermaus (Myotis nattereri)
© Foto: Henning Vierhaus, Bad Sassendorf-Lohne

Mit einer Körpergröße von etwa 4 bis 5 cm und einem Gewicht von 5 bis 12 g gehört die Fransenfledermaus zu den mittelgroßen Fledermausarten. Das Rückenfell ist hellgrau mit bräunlicher Tönung, die Unterseite reinweiß gefärbt. Das Gesicht ist hellfleischfarben, Ohren und Flughäute (Spannweite: 24-28 cm) sind hellgraubraun und erscheinen dünnhäutig. Besonders charakteristisch ist die Form der relativ langen Ohrmuschel sowie der lange spitze Ohrdeckel. Die runzelige Schwanzflughaut ist an ihrem Rand mit einem Saum starrer, nach innen gekrümmter Borsten (Fransen) besetzt. Die Fransenfledermaus ist eine sehr heimliche Art, die nur schwer nachzuweisen ist. Die Ortungsrufe sind sehr leise und im Ultraschalldetektor leicht mit anderen Myotis-Arten zu verwechseln (v.a. M. daubentonii, M. brandtii und M. mystacinus).

Die Fransenfledermaus lebt bevorzugt in unterholzreichen Laubwäldern mit lückigem Baumbestand. Als Jagdgebiete werden außerdem reich strukturierte, halboffene Parklandschaften mit Hecken, Baumgruppen, Grünland und Gewässern aufgesucht. Die Jagdflüge erfolgen vom Kronenbereich bis in die untere Strauchschicht. Zum Teil gehen die Tiere auch in Kuhställen auf Beutejagd. Die individuellen Aktionsräume sind 100 bis 600 ha groß, wobei die Kernjagdgebiete meist in einem Radius von bis zu 1.500 m um die Quartiere liegen. Als Wochenstuben werden Baumquartiere (v.a. Höhlen, abstehende Borke) sowie Nistkästen genutzt. Darüber hinaus werden auch Dachböden und Viehställe bezogen, wo sich die Tiere vor allem in Spalten und Zapfenlöchern aufhalten. Die Kolonien bestehen meist aus mehreren Gruppen von 10 bis 30 Weibchen, die gemeinsam einen Quartierverbund bilden. Ab Ende Mai/Anfang Juni bringen die standorttreuen Weibchen ihre Jungen zur Welt. Die Wochenstubenquartiere können ein bis zweimal in der Woche gewechselt werden, ab Mitte August werden sie aufgelöst.

Die Fransenfledermaus ist ein typischer Felsüberwinterer. Die Winterquartiere finden sich in spaltenreichen Höhlen, Stollen, Eiskellern, Brunnen und anderen unterirdischen Hohlräumen. Bevorzugt werden frostfreie Quartiere mit einer hohen Luftfeuchtigkeit und einer Temperatur zwischen 2 bis 8° C. Fransenfledermäuse gelten als ausgesprochen quartiertreu und können in Massenquartieren mit mehreren tausend Tieren überwintern. Die Winterquartiere werden von Ende Oktober bis Mitte Dezember bezogen und bis Anfang April wieder verlassen. Als Mittelstreckenwanderer legen sie Entfernungen von bis zu 80 (max. 185) km zwischen den Sommer- und Winterquartieren zurück.

Die Fransenfledermaus gilt in Nordrhein-Westfalen als „ungefährdet“ und kommt in allen Naturräumen vor. Aktuell sind über 20 Wochenstubenkolonien, mehr als 80 Winterschlafgemeinschaften sowie ein bedeutendes Schwarm- und Winterquartier mit über 3.000 Tieren (Kreis Coesfeld) bekannt (2015).