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FFH-Arten und Europäische Vogelarten


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Braunkehlchen  (Saxicola rubetra (Linnaeus, 1758))

EU-Code: A275

VS-Art. 4(2)

Rote Liste 1999 NRW: 2N
Rote Liste 2010 NRW: 1S
Rote Liste D: 3
Status in NRW: B; Erhaltungszustand in NRW (ATL): S
Status in NRW: B; Erhaltungszustand in NRW (KON): S

Braunkehlchen (Saxicola rubetra)
© Foto: Joachim Weiss, Lüdinghausen

Das Braunkehlchen ist ein 13 cm großer, kurzschwänziger und kompakter Vogel, und deutlich kleiner als ein Sperling. Vom Schwarzkehlchen unterscheidet es sich durch den schlankeren Körperbau und die relativ langen Flügel. Das Brutkleid der Männchen zeigt eine schwarzbraune Oberseite mit hellen bis zimtbraunen Federsäumen, eine braunrote Brust sowie eine gelbliche Kehle. Charakteristisch ist die dunkelbraune Gesichtsmaske, die oben von einem beigeweißen Überaugenstreif begrenzt wird. Die Weibchen sind wie die Jungvögel insgesamt schlichter in braunen Farbtönen gefärbt. Das Braunkehlchen steht meist aufrecht, knickst und wippt mit dem Schwanz, und sitzt gerne auf Weidepfählen oder auf Drähten. Die Rufe sind gimpelartig weich, melodisch („djü“) und tauchen oft in Verbindung mit dem Warnruf „zk-zk“ auf. Der Gesang besteht aus rauen und knirschenden sowie aus klaren und tiefen Tönen. Die Nahrung besteht aus Insekten (vor allem Käfer, Hautflügler, Zweiflügler, Heuschrecken, Wanzen, Ohrwürmer und Schmetterlingsraupen), Spinnen, kleinen Schnecken und Würmern. Im Herbst werden auch Beeren aufgenommen. Das Braunkehlchen ist ein Zugvogel, der als Langstreckenzieher in den afrikanischen Savannen südlich der Sahara überwintert.

In Nordrhein-Westfalen kommt das Braunkehlchen als seltener Brutvogel vor, hierzu gesellen sich zu den Zugzeiten auch Durchzügler aus nordöstlichen Populationen. Der Lebensraum des Braunkehlchens sind offene, extensiv bewirtschaftete Nass- und Feuchtgrünländer, Feuchtbrachen, feuchte Hochstaudenfluren sowie Moorrandbereiche. Wesentliche Habitatmerkmale sind eine vielfältige Krautschicht mit bodennaher Deckung (z.B. an Gräben, Säumen) sowie höhere Einzelstrukturen als Singwarten. Die Brutreviere sind 0,5 bis 3 ha groß, bei Siedlungsdichten von bis zu 6 Brutpaaren auf 10 ha. Das Nest wird in einer Bodenmulde zwischen höheren Stauden gebaut. Ab Mitte Mai erfolgt die Eiablage, bis Mitte Juli sind die Jungen flügge.

In Nordrhein-Westfalen sind die Bestände des Braunkehlchens seit den 1960er-Jahren stark rückläufig. Restvorkommen befinden sich unter anderem im Kreis Siegen-Wittgenstein und im Hochsauerlandkreis. Die bedeutendsten Brutvorkommen liegen in den Vogelschutzgebieten „Wälder und Wiesen bei Burbach“ und „Medebacher Bucht“. Der Gesamtbestand wird auf unter 100 Brutpaare geschätzt (2015).